Unser Gehirn - ein Modell unterschiedlicher Aufgabenbereiche

Gehirn – Arbeit besteht zu 98% aus unbewusster Informationsverarbeitung

Unser Bewusstsein – das ICH, das den Motor anwirft, wenn wir morgens aufwachen – macht nur den kleinsten Teil dessen aus, was in unserem Gehirn abläuft. (David Eagleman)

Das Bewusstsein steht auf den Schultern des Unbewussten. Alles was im Bewusstsein vor sich geht, hat dort nicht seinen Anfang genommen. Verhalten, Gedanken und Gefühle tauchen aus unbewussten Prozessen auf. Dennoch wurde dem Bewusstsein lange eine größere Bedeutung beigemessen als dem Unbewussten.

Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen können wir unbewusst 200.000 mal mehr Information verarbeiten als bewusst. Die Verarbeitungskapazität unseres Bewusstseins macht einen Bruchteil der gesamten Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns aus. Unser Gehirn ist viel komplexer und arbeitet vor allem anders als bisher vermutet.

Unser Gehirn ist in neuronalen Netzwerken organisiert

Unsere Wahrnehmungen, unsere Reaktionen und unser Verhalten, ob bewusst oder unbewusst, entsteht durch Aktivierung neuronaler Netzwerke im Gehirn. Neuronale Netzwerke bestehen aus Milliarden von Nervenzellen. Diese Nervenzellen organisieren sich funktionsabhängig in Einheiten und Mustern. Das Ergebnis ist ein gigantisches, komplexes, reaktionsschnelles und lernfähiges System.

Unser Gehirn „strickt“ sich ein individuelles Muster von der Welt

Aus persönlichen Lernprozessen, Erinnerungen und angeborenen Informationen bildet unser Gehirn eine Vorstellung von der Welt ab, wie sie für uns funktioniert. Alle eingehenden Informationen werden mit diesem inneren Modell von Erwartungen abgeglichen und gefiltert. Entsprechend dieser Bahnung nehmen wir unsere Umwelt wahr.

Was wir wahrnehmen erscheint uns als tatsächliche Wirklichkeit. Das Bild der Welt in unserem Kopf ist keine Kopie der Realität. Es ist subjektiv und wird in uns erzeugt.

Unser Gehirn – ein Mehrparteien-System mit inneren Stimmen?

Unser Gehirn besteht aus zum Teil konkurrierenden Untereinheiten und bildlich gesprochen, diskutierenden Anteilen, die miteinander in Wettbewerb treten. Es funktioniert wie ein Mehrparteien-System und kann zwei oder mehrere Standpunkte gleichzeitig vertreten. Es findet ein innerer Wettstreit statt, bei dem das emotionale und das rationale System, also Gefühl und Verstand, wesentlicher Bestandteil sind.

Der Verstand mit unserem Ich-Bewusstsein ermöglicht es, uns selbst zu beobachten, über uns zu ärgern, uns Vorwürfe zu machen und mit uns selbst in Verhandlungen zu treten.

Unser Gehirn – ein Plausibilitätserfinder?

Unser Verstand sucht immer eine Erklärung zu finden für alle Vorgänge.  Er ist ein Plausibilitätserfinder. Das bewusste Denken erklärt sich gerne alle Ereignisse nach dem linearen Ursache-Wirkungs-Prinzip: ″Es ist so, weil… ″ obwohl wir keine Ahnung haben, wie die Zusammenhänge tatsächlich zustande kommen.  Auch Ereignisse, die wir nicht beeinflussen können, führen wir auf personale Handlungen zurück.

Das Gehirn Modell von Poul MacLean mit drei Teilbereichen

veranschaulicht das Zusammenspiel zwischen Instinkten, Gefühlen und Rationalität. Es dient zur vereinfachten Darstellung unserer komplexen Gehirnfunktionen. Dabei wird das Gehirn in drei Teilbereiche unterschieden, die in enger Verbindung stehen. Sie sollen sich zeitlich nacheinander in unserer Entwicklungsgeschichte (Evolution) herausgebildet haben.

Das Stammhirn = das Reptiliengehirn,

als ältester Teil unseres Gehirns, der aus der Zeit der Dinosaurier und Reptilien stammt. Es steuert instinktives Handeln, reflexhaftes und vorprogrammiertes Verhalten (Atmung, Kreislauf, Schlaf) und dient der Selbsterhaltung.

Das Zwischenhirn = das Altsäugergehirn,

dass im Wesentlichen dem emotionalen Gehirn,dem limbischen System entspricht. Hier werden Informationen aus der Umwelt und von unserem Körper mit bereits vorhandenen Informationen abgeglichen. Hierbei werden vor allem emotionale Zustände mit einbezogen. Als Folge davon entstehen Gefühlsempfindungen.

Die Großhirnrinde = das Neusäugergehirn,

der jüngste Teil und Sitz unseres Willens, analysiert, differenziert, abstrahiert und denkt rational.

Angepasste Zusammenarbeit der Teilbereiche

Trotz verschiedener Aufgabenbereiche arbeiten alle Funktionseinheiten durch Netzwerkverbindungen engstens zusammen. Sie können situationsabhängig jeweils das Kommando übernehmen. Zur Sicherung des Gesamtsystems werden Lösungen und Strategien für die aktuelle Situation gegenseitig geprüft, angenommen, abgelehnt oder modifiziert. Das passiert rasendschnell und unbewusst.

Beispielsweise wird beim Autofahren die Entscheidung, ob wir bremsen oder einem Hindernis ausweichen, weitgehend unbewusst gefällt oder zumindest schon unbewusst vorgebahnt.

Optische Informationen, die durch unsere Augen ins Gehirn gelangen, tragen nur zu zehn Prozent zur eigentlichen Bildgebung bei. Die restlichen neunzig(!) Prozent steuern das Reptilien- und Altsäugergehirn aus ihrem riesigen Informations- und vorallem Bilderfundus bei. Wir sehen also nicht mit den Augen, sondern mit unserem Gehirn.